Schlachtbericht, 25. Pentember

Schlachtbericht, 25. Pentember

Das Schlachtfeld brannte. Die letzten Anhänger von Zaros hatten sich in eine Lichtung zurückgezogen, in der Azzanadra lag – augenscheinlich unfähig, sich zu bewegen, und von dicken Rauchschwaden verdeckt. Gelegentlich drangen ihnen Geräusche zu Ohren – menschliche Schreie, oder vielleicht Schlachtrufe, und der durchdringende Knall, wenn ein TokHaar endlich zu Boden ging.

"Wir können nicht ewig hierbleiben", fauchte Nex. "Was stimmt nicht mit ihm?"

Wadisieerel – immer noch in seiner lächerlichen Verkleidung – schaute zu ihr auf und zuckte mit den Schultern.

"Es ist nicht leicht, ein Gott zu werden", sagte er.

Nex gab ein verächtliches Geräusch von sich und wandte sich ab.

"Vielleicht ist er doch nicht so würdig, wie er dachte..."

Es war eine grausame Aussage, aber sie fühlte sie tief in ihrem Inneren. Zaros hatte sie verlassen. Azzanadra war sein zweitklassiger Ersatz. Und Senge... Senge war...

Nex blinzelte ihre Tränen (verursacht vom Rauch, natürlich) davon und erspähte etwas. Ein Schatten inmitten der Glut. Ein TokHaar. Sie sprang ihn mit einem wilden Knurren an, bereit, zu kratzen und zu reißen, bis nichts als ein Haufen Geröll zurückblieb.

Er wich nicht aus. Er hatte keinen Anlass dazu. Mit einer Gleichgültigkeit, die Nex einer um ihren Kopf schwirrenden Fliege entgegengebracht hätte, erhob er einen Arm und fing sie mitten im Sprung ab. Sie stürzte zu Boden und reagierte mit einem Schattenmagie-Stoß, der den TokHaar zurücktorkeln ließ.

"Dies ist ein Gräuel", gab er von sich. "Es muss zerstört werden."

Nex nutzte die Gelegenheit, um einen Schattenball direkt auf sein Gesicht abzuzielen. Der TokHaar gab ein Geräusch von sich, als würden Metall und Fels gegeneinander schrammen, und schwang seine mächtigen Arm nach ihr; doch zu spät! Sie tat einen Schritt zur Seite und richtete einen weiteren Zauber gegen sein Schultergelenk. Dampf stieg aus der Wunde auf, als der TokHaar sie hektisch wegschob, und Nex grinste.

"Das sind also die Armeen der Urgöttinnen? Erbärmlich."

Nun war es ihr gelungen, seinen Groll zu erwecken. Der Boden wankte und Nex – getrieben von den Erinnerungen an den Schatten-Behemoth – erhob sich in die Lüfte. Mehr seiner Sorte waren dort zu sehen, tief im Kampfesnebel – beschwor er sie herbei? Sie musste ihm ein schnelles Ende bereiten.

Mit gezückten Klauen stieß sie herab. Das Wesen bereite sich vor – eindeutig daran gewöhnt, seine Artgenossen zu bekämpfen – und als sie einen Angriff auf seine Seite antäuschte, lies es seine Verteidigung hilflos offen. Ein weiterer Eis-Donner. Ein weiterer durchdringender Schrei des TokHaar. Nex witterte ihre Chance.

Sie grub ihre Krallen tief in den steinharten Chitinpanzer rund um sein Gesicht und zog mit aller Macht; sie brachte das Monster aus dem Gleichgewicht und es stürzte nieder. Es lag auf dem Rücken, festgenagelt wie ein überraschter, überdimensionierter Käfer.

"Wozu all das hier?", zischte Nex. "Warum versucht ihr all das überhaupt?"

Die Arme des TokHaar wanden sich hinter ihm – ein Versuch, sie abzulenken.

"Raus damit!", knurrte sie.

"Es ist... das Protokoll", keuchte er. "Das Protokoll ist zu befolgen. Die Unreinheiten sind zu eliminieren. Das sind... unsere Befehle..."

"Und wenn ihr damit durch seid?", fragte Nex. "Was geschieht mit euch?"

Der TokHaar verstummte.

"Denkt ihr, eure Göttinnen werden euch verschonen?"

Die Antwort des TokHaar ließ einen Moment auf sich warten.

"Das Wort der Meisterinnen ist unabdingbar."

Nex spürte die Flammen, die über ihr Gesicht züngelten, einen Sekundenbruchteil zu spät. Sie wandte sich um und erblickte den TokHaar-Hok, wie in Zeitlupe sah sie den Lavastrom aus seiner Hand quellen und sie hob die Arme in einem letzten, verzweifelten Versuch, sich zu schützen. Sie dachte an Senge und wartete auf Rettung, die niemals kommen würde.

Mors venit velociter quae neminem veretur.

Doch der Tod ereilte sie nicht. Nex öffnete die Augen und sah – nur wenige Zentimeter entfernt – eine Wand aus Flammen vor sich, die von einer schimmernden Barriere abgeschirmt wurde. Die Flammen erloschen und ihre Rettung wurde offenbart.

"Scheint, als wäre ich gerade rechtzeitig gekommen," bemerkte Saradomin.

Der TokHaar-Hok streckte die Glieder mit einem Knacksen und bereitete einen zweiten Angriff vor, während der von Nex festgenagelte Feind sich wieder aufrappelte. Die Zeit für den Kampf war gekommen.

Wie eine Einheit legten der Gott und die Zaryte los. Saradomins Streitkolben traf den TokHaar-Hok mit genügend Wucht, um ihn über das Feld taumeln zu lassen, wo Nex mit einer Wand aus eisigen Stacheln wartete. Der kleinere TokHaar raste auf sie zu, nur um gegen eine andere Barriere zu laufen. Eis und Schatten tanzten über die verkohlte Erde, während Blitze durch die Luft schossen.

Aus dem Augenwinkel heraus sah Nex mehr TokHaar auf sie zuströmen, gelenkt von Schwarmdenken mit dem Bestreben, sie zu umzingeln.

"Hinter Euch!", rief sie. Saradomin wirbelte herum und traf einen weiteren TokHaar mit seinem Streitkolben. Doch sobald er wieder zu Boden ging, erschienen zwei weitere von hinten. Sie drohten sie bald zu umzingeln.

Keiner der beiden bemerkte die plötzliche Kälte, die über das Schlachtfeld niederfiel. Erst als Nex Rauchkringel aus dem Panzer des TokHaar-Hok aufsteigen sah, bemerkte sie, dass irgendetwas nicht stimmte – doch da war sein Schicksal bereits besiegelt.

Eine Wand aus Eis sank rund um den TokHaar-Hok hernieder, der – mit einem ohrenbetäubenden Knacken – zu einem Haufen Obsidianscherben zerbrach, die explosionsartig in alle Richtungen barsten.

Azzanadra taumelte aus dem Rauch hervor, gestützt von Wadisieerels Arm.

"Was habe ich verpasst?", krächzte er.

Zurück nach oben